Öffentlicher Vortrag am 6. Mai 2021
 

"Gefangen in Ihrer Vergangenheit" – Holocaust und Alter. Ein Journalist recherchierte und ein Psychiater leitet eine Hilfsorganisation.


Berichte von Dr. h.c. Howard Reich, Journalist Chicago
und Martin Auerbach, Klinischer Direktor von Amcha Israel


Die DGTD lädt im Rahmen der DGTD Tagung 07. bis 08.05.2021 zum Öffentlichen Vortrag am 6. Mai 2021 in die Dreikönigskirche, Dresden

Einlass: 18.30 Uhr
Beginn: 19.00 Uhr, Ende ca. 21.00 Uhr
Veranstaltungsort: Dreikönigskirche, Hauptstraße 23, 01097 Dresden
Grußworte: Dirk Hilbert, Oberbürgermeister Dresden, und Akiwa Weingarten, Rabbi der Jüdischen Gemeinde Dresden
Begrüßung: Michaela Huber, 1. Vorsitzende DGTD e.V., Kornelia Sturz, Vorstand DGTD e.V
Moderation und Einführung: Prof. Thomas Kübler, Leiter des Stadtarchivs Dresden

Der Holocaust zählt zu den extremsten Beispielen kollektiver Gewalt, die ganze Gesellschaften prägt und auf den Einzelnen – unabhängig von seiner individuellen Widerstandskraft – einwirkt.

Krieg, Genozid oder Massengewalt sind politische Ereignisse, die ganze Generationen erschüttern. Die jahrelange Verfolgung und Gewalt führen bei den Überlebenden und ihren Nachkommen oftmals zu starken seelischen Verletzungen, die ein Leben lang nachwirken.
Auch Howard Reich wuchs mit den seelischen Folgen der Gräueltaten der Nazis auf. Seine Eltern sprachen, wie so viele Betroffene, nicht über ihre Erlebnisse während des 2. Weltkrieges. Nachdem sie ein "normales Leben" in einem Vorort von Chicago geführt hatte, packte Howards Mutter Sonia 2001 ihre Sachen, um seitdem auf der Flucht vor dem Übel das sie töten will zu sein. Howard Reich wird beschreiben was er über die Geschichte seiner Mutter herausfand und wie die Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung mit verzögertem Beginn (late onset PTSD) einzuordnen sind. In seinem Vortrag wird er uns an seiner sehr persönlichen Erfahrung mit einer gealterten Holocaust Überlebenden teilhaben lassen.

Martin Auerbach ist ebenfalls Kind von Holocaust Überlebenden und jetzt als Psychiater in einer Institution tätig, die Sonia Reich vielleicht hätte helfen können. Er wird von seinen dort gemachten Erfahrungen mit Holocaust Überlebenden höheren Alters berichten. So können mit fortschreitendem Alter der Verlust von langjährigen Freunden oder Partnern und der Rückzug aus der Arbeitswelt zu Einsamkeit und sozialer Isolation führen. Aktuelle Herausforderungen und Stressoren ausgelöst vom Mangel an ökonomischer Sicherheit, Epidemien – wie etwa die Covid-19 Krise –,Terror und Kriege können bewirken, dass lange verdrängte traumatische Erfahrungen, wie sie die allermeisten der Überlebenden während des Holocaust machen mussten, verstärkt ins Bewusstsein zurückkehren.

Martin Auerbach wird über die Erfahrungen von AMCHA, dem israelischen Zentrum der psychosozialen Hilfe für Überlebende des Holocaust und ihrer Familien und der psychotherapeutischen Betreuung von Holocaust Überlebenden in Israel berichten.

Im Anschluss lädt die DGTD gerne zu einem Get-together im Foyer der Dreikönigskirche ein.